HFS – Das Hytrans-Fire-System aus dem Katastrophenschutz Niedersachsen

Wenn bei einem Großbrand sehr viel Löschwasser benötigt wird, stößt das örtliche Hydrantennetz mitunter an seine Grenzen. Auch bei Hochwasser oder nach Starkregen müssen innerhalb kurzer Zeit große Wassermengen bewegt werden. Für solche Einsätze verfügt der Landkreis Northeim über ein besonders leistungsfähiges Hochleistungsförderpumpensystem – kurz HFS. 2025 wurde es vom Katastrophenschutz des Landes Niedersachsen beschafft.

Die Abkürzung steht für „Hytrans Fire System“. Im niedersächsischen Katastrophenschutz wird die dazugehörige Einheit als „Fachmodul Hochleistungsförderpumpensystem“ geführt. Das System ergänzt die vorhandenen Einheiten der Feuerwehren und des Katastrophenschutzes überall dort, wo eine besonders leistungsfähige und über längere Zeit stabile Wasserversorgung benötigt wird.

HFS: Einer von vier Standorten in Niedersachsen

Mobile Wasserfördersysteme dieser Art werden international bereits seit vielen Jahren eingesetzt. Das Land Niedersachsen hat seine Fähigkeiten im Brand- und Katastrophenschutz 2025 um vier eigene HFS-Fachmodule erweitert. Sie sind in den Landkreisen Northeim, Gifhorn, Friesland und Diepholz stationiert und können bei Bedarf auch über Kreisgrenzen hinweg eingesetzt werden.
Damit ist der Landkreis Northeim zugleich ein wichtiger Standort für die überörtliche Gefahrenabwehr im südlichen Niedersachsen. Das System gehört dem Land Niedersachsen, wird vor Ort jedoch von speziell ausgebildeten Feuerwehrkräften des Landkreises betrieben.

Welche Aufgaben hat das HFS?

Die wichtigste Aufgabe des HFS ist die Förderung großer Wassermengen über lange Wegstrecken. Das ist beispielsweise erforderlich, wenn bei einem Großbrand nicht ausreichend Löschwasser aus dem örtlichen Leitungsnetz zur Verfügung steht. In diesem Fall kann Wasser aus Flüssen, Seen, Teichen oder anderen geeigneten Entnahmestellen zur Einsatzstelle transportiert werden.
Zu den Einsatzmöglichkeiten gehören insbesondere:
• die Löschwasserversorgung bei Großbränden,
• die Unterstützung bei Wald- und Vegetationsbränden,
• die Wasserförderung über lange Wegstrecken,
• das Abpumpen großer Wassermengen bei Hochwasser und Überflutungen,
• die Versorgung von Wasserwerfern, Löschfahrzeugen und anderen Einsatzmitteln.
Das HFS ersetzt dabei nicht die örtlichen Feuerwehren. Es schafft vielmehr eine leistungsfähige Wasserversorgung, an die weitere Löschfahrzeuge und Einheiten angeschlossen werden können.

HFS: Wie funktioniert das System?

Das Herzstück ist eine sogenannte HydroSub-150-Pumpeneinheit. Ein Dieselmotor treibt eine Hydraulikpumpe an. Über Hydraulikleitungen wird eine absetzbare Förderpumpe betrieben, die direkt in die Wasserentnahmestelle eingebracht wird. Dadurch kann das System auch Wasserstellen nutzen, die für herkömmliche Feuerwehrpumpen nur schwer erreichbar sind.

Zum System gehören außerdem besonders groß dimensionierte F-Schläuche. Insgesamt stehen rund 2.000 Meter Schlauchleitung zur Verfügung. Die Schläuche können während der Fahrt vom Abrollbehälter verlegt und später mit mechanischer Unterstützung wieder aufgenommen werden. Das spart Zeit und reduziert den Personalbedarf beim Aufbau langer Förderstrecken.

Im regulären Förderbetrieb kann das System rund 3.000 Liter Wasser pro Minute bei einem Druck von etwa elf Bar über eine Strecke von bis zu zwei Kilometern transportieren. Im Lenzbetrieb können rund 8.000 Liter pro Minute über eine vergleichbare Strecke bewegt werden. Mit einer zusätzlichen Flutkomponente sind unter geeigneten Bedingungen sogar bis zu 50.000 Liter pro Minute über eine kurze Strecke möglich. Die tatsächlich erreichbare Leistung hängt unter anderem von der Streckenlänge, den Höhenunterschieden und den Bedingungen an der Wasserentnahmestelle ab.

Unter Volllast kann das HFS mindestens sechs Stunden betrieben werden. Bei längeren Einsätzen müssen deshalb auch die Kraftstoffversorgung, die Ablösung der Einsatzkräfte und die technische Betreuung des Systems sichergestellt werden.

Einsätze im Landkreis und darüber hinaus

Das Northeimer HFS war bereits bei mehreren Bränden im Landkreis sowie in benachbarten Regionen im Einsatz. Seine Leistungsfähigkeit zeigte das System unter anderem 2025 bei einem Scheunenbrand nahe Sudheim. Dort wurde eine rund zwei Kilometer lange Förderstrecke von der Leine zur Einsatzstelle aufgebaut.

Im Juli 2026 unterstützte die Northeimer Einheit außerdem die Löscharbeiten bei einem Großbrand in Goslar. Gemeinsam mit einem weiteren HFS wurden große Wassermengen aus weiter entfernt liegenden Teichen zur Einsatzstelle gefördert. Gerade solche Einsätze zeigen den Vorteil des Systems: Auch wenn geeignete Wasserentnahmestellen nicht unmittelbar am Brandort liegen, kann eine leistungsfähige und dauerhafte Löschwasserversorgung aufgebaut werden.

Regelmäßige Ausbildung für den Ernstfall

Der Betrieb des HFS erfordert speziell geschulte Einsatzkräfte. Deshalb übt die Einheit regelmäßig an geeigneten Gewässern im Landkreis. Trainiert werden unter anderem das Absetzen und Inbetriebnehmen der Pumpeneinheit, das Verlegen und Aufnehmen der großen Schlauchleitungen, die Wasserförderung mit unterschiedlichen Leistungen sowie die Zusammenarbeit mit weiteren Feuerwehr- und Katastrophenschutzeinheiten.

Auch die Auswahl und Absicherung einer geeigneten Wasserentnahmestelle, die Überwachung der Förderstrecke und die Übergabe des Wassers an die eingesetzten Feuerwehren gehören zur Ausbildung. Nur durch regelmäßige Übungen kann sichergestellt werden, dass das technisch anspruchsvolle System im Ernstfall schnell und zuverlässig eingesetzt werden kann.

Einheitsführer des Fachmoduls HFS im Landkreis Northeim ist Alexander Nolte. Er trägt gemeinsam mit den Einsatzkräften die Verantwortung dafür, dass Personal und Technik jederzeit für Übungen und Einsätze vorbereitet sind.

Weiterführende Informationen:
https://www.nlbk.niedersachsen.de/startseite/katastrophenschutz/kommunale_zuweisungen_und_uberlassungen/ab_hfs/das-fachmodul-hochleistungsforderpumpensystem-245924.html

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