Informationen zur Übung am 18. Mai 2010
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{Aendern} |
| Übungsbericht 0065 eingetragen
von Thomas Bobrowski |
| Brandabschnitt-Nordost |
| Di 18. Mai 2010 - 18:18 Uhr |
| Bad Gandersheim, OT Altgandersheim, Lehmkuhle 17 |
| Brand in einer Produktionshalle mit 6 teils schwerverletzten Personen |
Am vergangenen Dienstag um 18:18 Uhr wurden die Einsatzkräfte zweier Schnelleingreifgruppen (SEG) und der Arztgruppe der Feuerwehrbereitschaft (FB) 4 des Landkreises Northeim von der Einsatzleitstelle Northeim über Funkmeldeempfänger alarmiert. Schnelleinsatzgruppen sind Gruppierungen aus medizinisch und/oder technisch ausgebildeten Einsatzkräften. Diese Gruppen unterstützen den Rettungsdienst bei größeren Schadenslagen und bei einem Massenanfall von Verletzten (MANV). Die Arztgruppe der FB 4 verfügt über Rettungssanitäter und Notärzte, die neben der normalen notfallmedizinischen Ausbildung zusätzlich noch über spezielle Kenntnisse in Tauchmedizin und Dekontamination von Verletzten verfügen. Die angeforderten Kräfte hatten den Auftrag sich in einem Bereitstellungsraum im Kalefelder Ortsteil Echte zu sammeln, um im Anschluss Nachbarschaftshilfe in Form eines Behandlungsplatzes im Landkreis Goslar zu leisten. Aufgrund einer Großschadenslage im Landkreis Goslar, hatte die dortige Leitstelle die Northeimer Kräfte über die Leitstelle Northeim angefordert, da der eigene Rettungsdienst voll eingebunden war. So zumindest stellte sich die angenommen Lage für die alarmierten Rettungskräfte dar. Dass es sich bei dieser Bereitstellungsübung um den ersten vorbereitenden Teil einer Übung im eigenen Landkreis handelte, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand der Beteiligten.
Während sich das Rettungspersonal der Johanniter Unfallhilfe, dem Deutschen Rotem Kreuz und der Feuerwehrbereitschaft 4 in Echte organisatorisch und mental auf den bevorstehenden Einsatz im Landkreis Goslar vorbereiteten, liefen im 25 km entfernten Bad Gandersheimer Ortsteil Altgandersheim bei der Drahtwarenfabrik Hobrecker die Übungsvorbereitungen für den Hauptteil der Übung auf Hochtouren. Die letzten künstlich nachgebildeten Wunden der sechs Verletztendarsteller wurden präpariert. Eine Produktionshalle des Betriebes wurde mittels Nebelmaschine künstlich vernebelt und die Statisten wurden mit letzten Instruktionen zu Symptomen der eigenen vorgegebenen Verletzung im Hallenkomplex abgelegt.
Um 18:58 Uhr wurde die Leitstelle Northeim durch einen telefonischen Notruf über die 112 über einen Brand in der Drahtwarenfabrik Hobrecker in Altgandersheim informiert. Die Leitstelle alarmierte daraufhin die Stützpunktfeuerwehr Altgandersheim und den Messtrupp des 3. Zuges der Umweltfeuerwehr über Funkmeldeempfänger. Die Alarmierung erreichte einen Teil der Altgandersheimer Kameraden bei einem Übungsdienst im eigenen Ortsgebiet. Der Gruppenführer dieser Gruppe, die sich gerade zur Vorbereitung auf die bevorstehenden Feuerwehrwettkämpfe zusammengefunden hatte, veranlasste nach Kenntniserlangung der Lage und des Einsatzortes umgehend eine Vollarmierung der eigenen Wehr über Sirene.
Bereits wenige Minuten später trafen erste Kräfte der Feuerwehr Altgandersheim mit dem MTW am Einsatzort ein, unter ihnen auch der stellvertretende Ortsbrandmeister der Wehr Frank Möller, der umgehend die Lage erkundete. Er wurde durch einen Mitarbeiter der Firma Hobrecker darüber in Kenntnis gesetzt, dass noch mehrere, teils schwer verletzte Mitarbeiter im Bereich der stark verqualmten Produktionshalle vermisst wären. Nach dem Eintreffen des Tanklöschfahrzeugs (TLF) 8 der Altgandersheimer wurde der Einsatz von Atemschutzgeräteträgern für die Menschenrettung angeordnet. Die Löschwasserversorgung für den Erstangriff und die Menschenrettung wurde durch das mitgeführte Wasser des Tanklöschfahrzeugs sichergestellt.
Bei der ersten Lagemeldung an die Leitstelle Northeim wurde dieser mitgeteilt, dass mit einem größeren Aufkommen an Verletzten zu rechnen sei, und massive Rettungsdienstkräfte benötigt würden. Da die Übungslage der sehr gut und akribisch vorbereiteten Großübung vorsah, dass der Rettungsdienst im Bereich Bad Gandersheim zum Zeitpunkt des angenommenen Brandes anderweitig gebunden wäre, spricht die Leitstelle den Meldekopf, der im Bereitstellungsraum Echte wartenden Kräfte an, um diese über die geänderte Einsatzlage zu informieren und zur Einsatzstelle nach Altgandersheim zu beordern. Diese „Übungskünstlichkeit“ und die vorherige Alarmierung zur Bereitstellung der Rettungsdienstkräfte nach Echte war geplant und wurde von den Übungsplanern Michael Potrafke, Marc Küche und Jens Küsel bewusst eingebaut, um das Zeitfenster des Übungsgeschehens verhältnismäßig gering zu halten, ohne dabei die Realitätsnähe für die eingesetzten Kräfte einzubüßen.
Während sich die Rettungsdienste auf den Weg in den nördlichen Zipfel des Landkreises machen, läuft hier die Menschenrettung und Brandbekämpfung weiter. Der erste Atemschutztrupp hat bereits den Gebäudekomplex betreten um nach den vermissten Personen zu suchen, was sich aber aufgrund der stark verqualmten Räumlichkeiten und umgestürzter Maschendrahtrollen als sehr schwierig erwies. Etwa 15 Minuten nach der Erstalarmierung waren die ersten verletzen Personen gefunden und wurden vom Trupp ins Freie verbracht, um sie den dort wartenden Ersthelfern der Feuerwehr Altgandersheim zu übergeben. In den folgenden 10 Minuten wurden weitere drei Brandopfer vom AGT Trupp gerettet, der nach dieser körperlichen Höchstleistung von einem „frischen“ Trupp abgelöst wurde.
Die Besatzung des mittlerweile eingetroffenen 2. Altgandersheimer Löschfahrzeugs (LF) 8, hatte in der Zwischenzeit die Wasserversorgung aus Unterflurhydranten aufgebaut und unterstütze die eingesetzten Kräfte auch personell. Auch der Messtrupp der Umweltfeuerwehr war inzwischen am Einsatzort eingetroffen und begann mit der Rauchgasmessung der Einsatzstelle und des umliegenden Gebiets.
Etwa 20 Minuten nach der „Umdisponierung“ der Rettungskräfte aus dem Bereitstellungsraum Echte, trafen erste Teile von ihnen in Altgandersheim ein und begannen sofort mit der medizinischen Erstversorgung der geretteten Verletzten und dem Aufbau der Logistik wie z.B. Versorgungszelte, Liegen und Tragen, diverse medizinische Gerätschaften oder der Stromversorgung.
Nachdem die Logistik betriebsbereit errichtet war, konnte mit der Betreuung und Weiterversorgung der verletzten Personen, die inzwischen alle gerettet waren, in den Zelten begonnen werden. Am Einsatzort in Altgandersheim wurden zwei Behandlungszelte errichtet, eines für Verletzte der Kategorie „Gelb“ und eines für Verletzte der Kategorie „Rot“. Bei einem Einsatz mit einem Massenanfall von Verletzten (MANV) werden die Patienten in sogenannte Sichtungskategorien eingeteilt. Diese Einteilung ermöglicht eine effiziente Planung der notfallmedizinischen Ressourcen und stellt somit einen strukturierten Ablauf bei der Behandlung der Patienten sicher. Für die Rettungskräfte im Landkreis Northeim beginnt die unterste Ebene eines MANV bei fünf bis acht schwerer verletzter Personen.
Patienten die in die Kategorie „Rot“ eingestuft werden, müssen aufgrund akuter Bedrohung der körperlichen Vitalfunktionen sofort behandelt werden. Bei dieser Übung wurden 3 Personen vom notfallmedizinischen Personal vor Ort in diese Kategorie eingestuft. Aufgrund der angenommenen großflächigen Verbrennungen der Haut, war die unverzügliche Weiterbehandlung in Spezialkliniken unerlässlich, und so wurden zwei der Patienten in dieser Übungslage mit Rettungswagen zum Sportplatz Altgandesheim gebracht, um dort jeweils mit einem eigenen Rettungshubschrauber in die Universitätskliniken nach Hannover und Göttingen verbracht zu werden. Der dritte Verletzte mit Hautverbrennungen wurde zur weiteren Behandlung mit einem Rettungswagen zur Uniklinik Göttingen gefahren. Dieser letzte Schritt wurde allerdings jeweils nur virtuell vollzogen. Für die Patienten war die Übung am Sportplatz Altgandersheim, bzw. am Gerätehaus der Feuerwehr Altgandersheim beendet.
Zwei weitere schwer verletzte Brandopfer dieser Übungslage wurden der Kategorie „Gelb“ zugeordnet. Mit diesem Status kann die Behandlungsdringlichkeit der Patienten aufgeschoben werden, die ständige Überwachung ist allerdings hierbei immer sicherzustellen. Diese beiden „Opfer“ wurden im weiteren Verlauf der Übung einer Behandlung in den Krankenhäusern Seesen sowie Northeim zugeführt. Der Abtransport erfolgte auf dem Straßenweg mittels Rettungswagen und ebenfalls nur virtuell.
Neben den beiden genannten Sichtungskategorien gibt es u. a. auch eine „Grüne“ in die leichter verletzte Patienten eingeordnet werden. Hier ist in den meisten Fällen eine spätere oder eine ambulante Behandlung ausreichend. In diese Kategorie wurden die letzten beiden Übungsstatisten „einsortiert“. Bei diesen beiden sah die Übungslage eine leichte Rauchgasvergiftung vor, die eine Einlieferung zur Beobachtung der Patienten in das Krankenhaus Bad Gandersheim erforderlich machte.
Während der Behandlungsmaßnahmen im Außenbereich des Firmengeländes waren weitere Feuerwehreinsatzkräfte in der Produktionshalle mit den Nachlöscharbeiten, bzw. mit der Messung der Schadstoffbelastung der Rauchgase beschäftigt. Bei diesen Tätigkeiten, die unter Atemschutz durchgeführt wurden, erlitt ein Feuerwehrmitglied einen Schwächeanfall und musste durch den bereitstehenden Atemschutz Rettungstrupp gerettet werden. Auch er wurde der medizinischen Versorgung der SEG zugeführt, konnte aber wenig später wieder zu seiner Einheit zurückkehren.
Insgesamt waren über 60 Einsatzkräfte im Einsatz. 5 AGT Trupps wurden insgesamt von der Stützpunktfeuerwehr Altgandersheim und der FB 4 gestellt.
Um ca. 20:00 Uhr wurde der Befehl zum Übungsende gegeben. In der anschließenden Abschlussbesprechung bedanken sich die Verantwortlichen bei den Übungsteilnehmern für ihren Einsatz und ihr Engagement innerhalb der jeweiligen Gruppierung und entließen die Kräfte in ihre Heimatstandorte.
Als Übungsbeobachter waren Peter Sawastianow, Bereitschaftszugführer der FB 4, der Stadtbrandmeister der Stadt Bad Gandersheim Axel Röstel und der Ortsbrandmeister von Altgandersheim Hans-Werner Brinkmann die sich beide im Laufe der Übung zu einer Ratssitzung der Stadt Bad Gandersheim verabschieden mussten und ein Mitglied der Pressegruppe der Kreisfeuerwehr Northeim zugegen.
Mehr Fotos der Übung sind unter dem u.a. Hyperlink zu sehen.
www.kfv-northeim.de/Uebungsfotos/FB4_18.05.2010/html/index-1.html
Eingesetzte Kräfte:
Stützpunktfeuerwehr Altgandersheim:
Stärke insgesamt: 19
- MannschaftsTransportWagen (MTW) - TankLöschFahrzeug (TLF 8) - LöschFahrzeug (LF 8)
3. Zug Feuerwehrbereitschaft (FB) 4:
Internet: www.umweltfeuerwehr.de/
Stärke insgesamt: 16
- EinsatzLeitWagen (ELW) - GeräteWagen Messung (GW-Mess) - MannschaftsTransportWagen (MTW) - DekontaminationsMehrzweckFahrzeug (DMF) - GeräteWagen Dekontamination (GW-Dekon)
Arztgruppe Feuerwehrbereitschaft (FB) 4:
Stärke insgesamt: 4 (davon 2 Notärzte)
- NotarztEinsatzFahrzeug (NEF)
Schnelleingreifgruppe (SEG) Altes Amt (Deutsches Rotes Kreuz):
Internet: www.drk-altesamt.de/index2.php
Stärke insgesamt: 11
- EinsatzLeitWagen (ELW) - MannschaftsTransportWagen (MTW) - ReTtungsWagen (RTW) - GeräteKraftWagen (GKW)
Schnelleingreifgruppe (SEG) Johanniter Unfall Hilfe:
Internet: www.johanniter.de/index.php?id=12624
Stärke insgesamt: 12
- KrankenTransportWagen (KTW) - ReTtungsWagen (RTW) - GeräteKraftWagen (GKW)
Thomas Bobrowski |
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Mehr Infos: www.kfv-northeim.de/Uebungsfotos/FB4_18.05.2010/html/index-1.html |
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